Abends kommen wir in der Hauptstadt Ecuador an und fahren 45min mit einem Uber zu unserem Hotel in die Innenstadt. Gleich fallen uns zwei Dinge in Quito auf. Zum Einen geht es ständig Berg hoch, Berg runter und zum Anderen ist kein Mensch auf den Straßen und vor unserem Hotel ein bewaffneter Wachmann vom Militärdienst. Zur ersteren Sache wissen wir, dass Quito im Hochland der Gebirgskette Anden auf 2.850 Metern Höhe liegt und dass sie die höchstgelegene Hauptstadt der Welt ist!
Zur zweiten Sache erfahren wir, dass am Tag zuvor Ecuadors Präsident Daniel Noboa aufgrund der Flucht eines Drogenbosses in Guayaquil und verbreiteter Gewalt in Gefängnissen den landesweiten Ausnahmezustand verhängt und eine nächtliche Ausgangssperre angeordnet hat. Die nächsten 60 Tage soll das Militär im Land Ecuador eingesetzt werden. Wegen dieser Ausschreitungen sind nun in Quito weitgehend Geschäfte, Schulen und Regierungsbüros geschlossen. In der Altstadt „Centro Histórico“, welche wir uns anschauen wollten, liegt der Präsidentenpalast, der nun komplett vom Militär abgesperrt wird. Uns wird daher nun empfohlen, die Altstadt erst einmal nicht zu besichtigen.


Das Einzige, was wir in Quito besuchen, ist das sehr weit außerhalb des Zentrums liegende „Mitad del Mundo“ und den Krater eines Vulkans. Wir bekommen einen Fahrer vom Hotel, der uns nun vom Zentrum weg 30km in den Norden von Quito fährt. Dort besuchen wir zuerst den Krater des erloschenen Vulkans Pululahua. Der letzte Ausbruch soll im Jahr 467 gewesen sein. Hier leben Einheimische und er ist einer von zwei bewohnten Kratern auf der Welt. Der fast völlig ebene Kraterboden gilt wegen der Vulkanasche als fruchtbar und deshalb wird viel angebaut. Aufgrund der zahlreichen Tier- und Pflanzenarten und des besonderen Klimas wurde der Krater 1966 unter Naturschutz gestellt und zum ersten Nationalpark Ecuadors erklärt.


Anschließend werden wir zum Äquator Intiñan-Museum gefahren, in welchem der richtige Äquator liegt und danach 250m weiter zum Denkmal „Mitad el Mundo“, welches den historischen Äquator darstellt, denn im Jahr 1736 wurde das Denkmal als Position des Äquators bestimmt. Mittlerweile weiß man, dass der Franzose Charles Marie de la Condamine sich damals vermessen hat und nach neuesten Berechnungen befindet sich der „echte“ Äquator in dem oben erwähnten Museum.
In diesem Museum machen wir lustige Experimente bezüglich der Corioliskraft. Da sich auf der Äquatorlinie die Corioliskräfte von der Nord- und Südhalbkugel beeinflussen, kann man hier z.b. ein rohes Ei auf einen Nagel stellen.












Am nächsten Tag fahren wir mit dem Mietwagen „die Straße der Vulkane“, d.h. einen Teil der „Panamericana“ und einen Teil der Anden aufs Land, wo es gerade sicherer ist als im Zentrum einer großen Stadt. Wir müssen an diesem Tag die Stadt Quito bis 16Uhr verlassen, denn mit der letzten Zahl 9 unseres Kennzeichens auf der Plakette darf nur Freitags bis 16Uhr gefahren werden. Jede Kennzeichen-Zahl steht für einen Tag. Aufgrund des vielen Verkehrs gibt es diese Regel und diese gilt nur in der Stadt Quito.
Wir übernachten nun drei Tage in der 300 Jahre alten, wunderschönen Hacienda La Ciénega. Alexander von Humboldt residierte hier 1802 zu Beobachtungen des Vulkans Cotopaxi. Im Zimmer hat man sogar eine Feuerstelle, die angezündet wird, denn hier auf 3000m über dem Meeresspiegel ist es nun sehr kühl mit maximal 16°Grad tagsüber und nachts 6°Grad.






Wir ziehen uns dick an und fahren am Tag darauf zum Vulkan Cotopaxi. Er ist mit 5897m der zweithöchste Berg Ecuadors und einer der höchsten aktiven Vulkane der Welt. Wir fahren ca. 60Minuten durch Geröll auf bis zu 4700m und wandern auf 4864m hoch zum Basecamp. Die Luft ist ganz schön dünn da oben, es ist kalt und man muss sehr langsam laufen, um nicht höhenkrank zu werden. Wir freuen uns, dass wir die paar Meter zum Basecamp geschafft haben und gönnen uns eine heiße Schokolade.















Wieder übernachten wir in unserer schönen Hacienda La Ciénega und schauen uns am folgenden Tag die blaugrüne Lagune an, welche der Grund des noch aktiven Vulkankraters Quilotoa ist. Dafür fahren wir insgesamt 5-6 Stunden über hohe Berge an kleinen Städten wie Sigchos, Chugchilán, Zumbahua und Pujili vorbei. Wir bekommen nun einen Eindruck, wie die Menschen hier so auf dem Land und in den kleinen Städten leben.










Wir fahren die Panamericana weiter Richtung Süden und machen einen kurzen Abstecher nach Bañjo. Von der Stadt Bañjo bis zur Stadt Puyo gibt es hier die „Straße der Wasserfälle oder in spanisch die „Ruta de las Cascadas“. Auf dem Weg gibt es sieben Wasserfälle. Der schönste Wasserfall dieser Straße soll der „Pailón del Diablo“ sein, welchen wir besuchen. Er ist zwar nicht der höchste Wasserfall, den wir je gesehen haben, aber er beeindruckt uns, weil man sehr nah heran und sogar hinter den Wasserfall gehen kann.










Nach dem Ausflug zum Wasserfall fahren wir nach Riobamba in unser Hotel Hacienda Abraspungo, wo wir sogar von der Hoteldame in Deutsch begrüßt werden, denn sie war in ihrer Kindheit in Deutschland. Wir essen noch sehr lecker zu Abend.

Rechts: Ecuadorianisches Knabberzeug (Mais gebacken mit pikanter Salsasoße)
Morgen fahren wir zum Vulkan Chimborazo.
Bis bald 🙂

Wünsch euch noch ein paar schöne und vor Allem unpolitische Tage am „Ecuador“