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Von Himeji nach Hiroshima über Shikoku nach Kobe (17.10.-22.10.23)

Die Hälfte der Zeit mit unserem Camper ist nun schon vorbei und wir haben mal kurz überschlagen, wie weit wir eigentlich noch fahren können, um pünktlich wieder zurück in Tokyo zu sein … kurz gesagt, es wird sportlich! 🙂

Obwohl die nächste Großstadt Kobe mit dem größten Seehafen Japans und leckeren Steaks sicherlich sehenswert ist, lassen wir diese erstmal links liegen und fahren direkt in die alte Burgstadt Himeji. Dort schauen wir uns, wer hätte es gedacht, die Burg Himeji an. 🙂

Die wohl schönste Burg Japans wurde ab 1346 erbaut und diente bereits mehrfach als Filmkulisse, z.B. Last Samurai oder James Bond
Nach Renovierung von 2010-2015 wieder im weißen Originalzustand
Voller Vorfreude… 🙂
Der einzige Eingang…die Japaner damals waren echt klein 🙂
An den Wänden wurden die Waffen gelagert
Blick auf die Stadt Himeji vom sechsten Stockwerk aus

Die Burg diente vorwiegend zur Lagerung von Gold und Waffen. Durch ihre hochentwickelte Wehranlage galt sie zum damaligen Zeitpunkt als uneinnehmbar.

Direkt neben der Burganlage befindet sich auch ein japanischer Garten, der Kokoen Garden.

Garten mit Brücke und farbigen Kois
Nur farbige Kois 🙂

Auf dem Rückweg zum Camper war es dann schon Mittag und wir konnten kleine Schulkinder beobachten, wie sie alle in Reih und Glied die Straße überqueren…niedlich 🙂

Die Farben sind natürlich einheitlich, damit kein Kind verloren geht 🙂

Mehr Zeit haben wir in Himeji nicht verbracht und sind weitergefahren zu unserem nächsten Campingplatz. Dort kamen wir bereits 15 Uhr an und konnten mal faulenzen, d.h. duschen, Wäsche waschen, kochen, Wassertanks leer machen und neu befüllen und Blog schreiben. Man glaubt es kaum, wie stressig reisen sein kann 🙂

Am nächsten Tag sind wir durch die Präfektur Okayama Richtung Hiroshima gefahren. In der Stadt Kurashiki haben wir kurz Halt gemacht, um Gaskartuschen für den Gaskocher zu besorgen. Diese haben wir bisher ausschließlich in Outdoor- bzw. Campinggeschäften gefunden. Danach sind wir noch kurz in das Altstadtviertel Kurashiki Bikan geschlendert und haben uns den Ivy Square angeschaut, eine ehemalige Baumwollspinnerei mit vielen kleinen Läden.

Hier konnte man eine Bootstour machen, haben wir aber nicht 🙂
Tor zum Ivy Square
Hier soll es das beste Früchteeis geben, nur leider für den Tag schon ausgebucht
Also gingen wir woanders ein leckeres Eis mit Früchten essen 🙂
Törtchen und Gebäck mit Erdbeeren

Nach Hiroshima sind es nun noch 200km, wir fahren bis zur letzten Übernachtungsmöglichkeit vor der Stadt.

Ein Fluß direkt neben unserem Parkplatz 🙂

Am nächsten Morgen hatten wir noch ca. 50km zu fahren, bevor wir das Stadtzentrum von Hiroshima erreichten. Alles war irgendwie normal, Berufsverkehr auf der vierspurigen Straße zum Zentrum, Leute im Anzug auf dem Weg zur Arbeit, Rentner mit dem Fahrrad beim Einkaufen. Dennoch machte sich ein mulmiges Gefühl breit, je näher wir dem Zentrum kamen. Wir parkten in der Nähe vom Friedenspark und schon auf dem Weg dahin konnten wir einige Denkmäler besichtigen, die an die schrecklichen Ereignisse damals erinnerten.

Ehrenmal für die Schüler von 21 ehemaligen Mittelschulen und Mädchenschulen in der Stadt Hiroshima
Tor des Friedens – Auf dem Tor ist das Wort „Frieden“ in 18 verschiedenen Zeichen und 49 Sprachen eingraviert

Wir haben zuerst das Friedensmuseum besucht, was keine leichte Kost war. In der Ausstellung wird die Stadt vor und nach der Tragödie gezeigt, es werden persönliche Geschichten von Betroffenen erzählt und man kann Fakten der Geschichte von der Erfindung bishin zu den gravierenden Auswirkungen einer solchen Waffe nachlesen. Trotz der bedrückenden Stimmung war es auf jeden Fall einen Besuch wert und sollte bei keiner Japanreise fehlen.

Haupt- und Ostgebäude des Friedensmuseums
Das steinerne Kenotaph beinhaltet eine Liste von verstorbenen Opfern aller Nationalitäten
Flamme des Friedens – ewiges Feuer, das seit dem 1. August 1964 nicht mehr erloschen ist und brennen soll, bis der Tag kommt, an dem alle Atomwaffen von der Erde verschwunden sind

Anschließend haben wir uns noch den A-bomb Dome angeschaut, damals ein Gebäude, das nur wenige Meter entfernt vom Bodennullpunkt stand und dadurch weitesgehend bestehen blieb, da die Druckwelle senkrecht auf das Gebäude einwirkte. Heute kann die Ruine als Denkmal besichtigt werden.

A-bomb Dome
Hiroshima nach dem Angriff

Dieser Tag wird uns sicherlich lange in Erinnerung bleiben. Wir sind im Anschluss noch in die Innenstadt gelaufen, um auf andere Gedanken zu kommen. Man muss sagen, das Zentrum ist recht schön, es gibt viele Parks und Bänke, wo die Leute sich entspannen, viele Einkaufszentren und auch Bars und Restaurants.

Über Nacht standen wir auf einem 24h Parkplatz direkt am Motoyasu River gegenüber vom Friedenspark und konnten somit am Abend die vielen Brücken und den Park nochmal bei Dunkelheit sehen.

Am nächsten morgen haben wir keine Zeit verloren und sind nach dem Frühstück nach Miyajimaguchi ca. 20km südlich gefahren, wo wir mit der Fähre übersetzen konnten auf die heilige Insel Miyajima. Dort wurde im Jahr 593 der Itsukushima-Schrein errichtet. Frauen war das Betreten der Insel bis ins 20te Jahrhundert nicht gestattet und es durfte weder Geburten noch Todesfälle geben, da beides als Zustand der Unreinheit galt.

Ausflug von Schulklassen mit Klassenfoto vorm Torii. Man beachte das Reh im Vordergrund 🙂
Auf der Insel läuft zahmes Wild frei herum
Füttern und Anfassen verboten

Wir haben also die drei Schulklassen erstmal den Schrein besichtigen lassen und haben stattdessen eine kleine Wanderung auf den 535m hohen Berg Misen gemacht. Dieser befindet sich im Zentrum der Insel und man kann den Gipfel mit einer Seilbahn oder zu Fuß über einen steilen Pfad erreichen. Wetterbedingt haben wir die bequeme Variante gewählt und waren in 10 Minuten oben 🙂

Aussicht vom Berg Misen
Weniger Aussicht – Im Hintergrund sieht man Hiroshima… eigentlich 🙂
Noch weniger Aussicht 🙂
Gute Laune bei schlechtem Wetter 🙂

Unter dem Gipfel soll im Jahr 806 der buddhistische Mönch Kukai ein Feuer entzündet haben, das seither nie erloschen sein soll und in der „Halle des nie verlöschenden Feuers“ brennt. Es ist auch der Ursprung der Flamme im Friedensgedenkpark von Hiroshima.

Zurück vom Berg sind wir dann endlich zum Schrein und haben auch diesen heiligen Ort besichtigt.

Itsukushima-Schrein mit fünfstöckiger Pagode im Hintergrund
Torii ca. 160m vor dem Schrein im Wasser. Bei Ebbe kann man durchlaufen und Muscheln sammeln ist beliebt.

Danach hatten wir Hunger…

Octopus-Bällchen (links) und Fleischspieß (mitte und rechts 😀 )
Eine Chicken-Wings-Pyramide! An der konnten wir leider nicht vorbeigehen 🙂
Momiji manju – Kleingebäck in Ahornblattform gefüllt mit roter Bohnenpaste oder Pudding

Ordentlich satt sind wir dann mit der Fähre zurückgefahren und ins Auto gestiegen. Wir fahren nun wieder Richtung Norden durch den Setonaikai National Park, der sich zwischen den beiden Hauptinseln Honshu und Shikoku erstreckt. Er besteht hauptsächlich aus Meeresfläche und vielen kleinen Inseln, die teilweise über Autobahnbrücken befahrbar sind.

Blick auf die Tatara-Brücke

Wir übernachten auf der Roadside Station Tatara Shimanami Park mit Blick auf die Tatara-Brücke.

Am nächsten Tag sind wir dann nochmal zu zwei Aussichtspunkten gefahren, um von dort ein paar schöne Bilder von den Inseln zu machen.

Aussicht auf unsere Roadside Station der letzten Nacht
Aussicht aufs Meer mit Schiff
Aussicht mit Brücke und Babsi 🙂

Danach sind wir ca. 70km zu einem weiteren Schrein gefahren, dem Kotohira-gu aus dem 1. Jahrhundert, also knapp 2000 Jahre alt.

Um dort hinzugelangen, muss man erstmal 1300 Stufen absolvieren. Zu diesem Zweck wurden unten Wanderstöcke verkauft 🙂
Torii des Kotohira-gu
Der Hauptschrein des Kotohira-gu
o-mikuji – Orakelbotschaften (ähnlich dem Horoskop) werden an ein dafür vorgesehenes Gestell gebunden

Nun haben wir vermutlich genügend Schreine in Japan gesehen und dieser war wohl vorerst der letzte heilige Ort, den wir besichtigt haben 🙂

Nachdem wir alle 1000 Stufen wieder nach unten gelaufen sind, traten wir die letzte und größere Etappe des Tages an, ca. 140km fahren bis zum Campingplatz nach Higashikagawa. Da wir uns nicht sicher waren, wie lange die Rezeption geöffnet hat, sind wir ausnahmsweise mal den kostenpflichtigen Express-Highway gefahren und haben eine Stunde Fahrzeit gespart. Auf dem Campingplatz angekommen ist bereits einiges los. Zelte werden aufgebaut, es wird Fussball gespielt und Feuer werden angeschürt…man merkt, es ist Wochenende und die Japaner campen gern.

Am Sonntag früh ging es dann weiter zum Naruto-Strudel. Die Gezeiten bewegen hier mehrmals täglich große Wassermengen durch die ca. 1,3km breite Meerenge vom Pazifik in die Seto-Inlandsee und wieder hinaus. Dieses Naturschauspiel kann sowohl von einem Aussichtspunkt als auch auf der Naruto-Brücke von der Uzunomichi-Promenade aus beobachtet werden. Die Strömung in der Naruto-Straße kann bei Springflut bis zu 20km/h erreichen.

Eine 65m lange Rolltreppe hoch zum Aussichtspunkt
Die Naruto-Brücke
Touristenschiff im Naruto-Strudel
Naruto-Strudel von der Uzunomichi-Promenade aus

Anschließend ging es wieder auf den Express-Highway Richtung Kobe, die Hafenstadt, die wir auf dem Hinweg ausgelassen haben. Dabei sind wir über die längste Hängebrücke der Welt gefahren mit knapp 4km (3911m) Länge, sehr beeindruckend.

Akashi-Kaikyō-Brücke

Seit 2022 ist jedoch die Çanakkale-1915 in der Türkei die längste Hängebrücke mit 5169m Gesamtlänge.

Die MIRAIE liegt im Hafen von Kobe
Hafen Kobe mit Touristenboot Gozabune Atake Maru

Im Hafen haben wir noch das Earthquake Memorial Museum besucht. Hier wurden die Schäden des Erdbebens von Kobe im Jahr 1995 nicht behoben und können besichtigt werden.

Earthquake Memorial Museum

Den Rest des Tages haben wir uns mit unserem Schneckenhaus durch den Verkehr von Kobe und Osaka gekämpft. Hier fährt man eigentlich nicht freiwillig Auto. Auf teilweise 8-spurigen Stadt-Autobahnen in drei Etagen übereinander schieben sich gefühlte 10 Millionen Autos durch die Stadt. Jede Kreuzung ist eine neue Herausforderung! 🙂

Osaka, wir kommen! Bis bald!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Enrico

    Wirklich beeindruckend. Vielen Dank fürs teilhaben lassen. Schreibt bitte weiter so fleißig 😉
    Bin schon gespannt, was nach Japan kommt. Liebe Grüße aus dem mittlerweile kühlen Ismaning 🤗🤗

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